Roshi, Gründer des Programms
Johannes Kopp SAC
Hôun-ken Wolke des Dharma
Er ist Pionier in der Begegnung zwischen Zen und Christentum sowie ein Unikat in der Weise, wie er diese Integration sah und verwirklichte.
Johannes Kopp konnte und wollte nie verleugnen, dass er aus dem Schwäbischen stammte: Er wurde in Allmendingen geboren. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt durch eine tiefe und selbstverständliche Religiosität. Drei seiner Geschwister starben früh, eine Schwester entschied sich für das Leben als Pallottinerin – einer religiösen Gemeinschaft, die u.a. in Süd-Afrika tätig war. Die Berufsausbildung zum Vermessungstechniker wurde unterbrochen durch den Weltkrieg, in dem er als Gebirgsjäger Erfahrungen sammelte, die ihn erschütterten und an den Rand der Verzweiflung führten. Schon hier wurde ihm klar, wie wichtig ein Bewusstseins-Wandel für das Überleben der Menschheit ist.
Der Wunsch, sich ausdrücken zu können sowie seine Liebe zur Rhetorik ließen ihn eine für damalige Zeit außergewöhnliche Entscheidung treffen: er ging auf die Schauspielschule nach Stuttgart. Dort lernte er – bei der Vorbereitung auf ein Passions-Spiel! – jemanden kennen, der ihm von der Möglichkeit erzählte, das Abitur „nachzumachen“, um Priester zu werden. So waren Limburg an der Lahn und Vallendar bei Koblenz seine nächsten Lebens-Stationen. In Limburg hatten die Pallottiner (eine durch den Römer Vinzenz Pallotti gegründete Seelsorge-Gemeinschaft) mit dem Bischof-Vieter-Kolleg eine „Nachwuchs-Schmiede“. Johannes unterwarf sich der dort herrschenden eisernen Disziplin, studierte Theologie und entdeckte für sich Teilhard de Chardin. In diesem Naturwissenschaftler und Theologie fand er seine eigene universale Vision wieder. Erste Seelsorgs-Aufgaben führten ihn ins Saarland und schließlich ins Ruhrgebiet, wo er bis in sein hohes Alter hinein Heimat fand.
Wie viele andere, die in der Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil auf der Suche nach neuen Wegen waren, ging es auch ihm darum, sein von unendlicher Liebe geprägtes Gottes- und Menschenbild zu vermitteln. In der Begegnung mit Pater Lassalle bei einem seiner berühmt gewordenen Einführungs-Abende (in Duisburg) wurde ihm klar: Das ist es, so möchte auch ich werden. Pater Lassalle, durch seine Kollektenreisen für die Weltfriedenskirchen vertraut mit dem Bischof von Essen, lud ihn nach Japan ein. Bistum und die Gemeinschaft der Pallottiner stimmten zu – es ging ja darum, neue Wege auch in der Seelsorge zu beschreiten. Zunächst einige Zeit in dem von Pater Lassalle erbauten Meditationszentrum „Höhle des göttlichen Dunkels“, führte dieser ihn dann zu seinem eigenen Lehrer Yamada Roshi. Damit begann eine mehrjährige „Koan-Ausbildung“, so wie sie zur Erlangung der Meisterschaft in der Sanbo-Zen-Schule verlangt wird. Dass die Suche nach dem Wesen im Zen und der Glaube an den universalen Christus einander nicht stören, sondern verstärken, das bestätigte Yamada Roshi seinem Schüler durch das Koan, das ihn ein ganzes Leben begleitete: „You must realizie, that Jesus Christ is in you!“ Die Ausbildung endete 1985 mit der Lehrbefähigung und der Verleihung des Zen-Namens Ho-un-ken, „Wolke des Dharma“.
Bereits 1972 hatte Johannes Kopp begonnen, weiterzugeben, was er in sich spürte und was ihm mehr und mehr klar wurde. Das Programm „Leben aus der Mitte – Zen-Kontemplation“ war geboren. Der Bindestrich im Namen war und blieb dem Gründer zeitlebens ein Anliegen: die Integration des Zen in den christlichen Glauben, verbunden mit der Offenheit des Programms für alle Menschen. Immer wieder kam er bei den Motivationen in Sesshins (wie er die Teishos nannte) darauf zu sprechen. Nach und nach fügte er neben den traditionellen Wort-Elementen (Gelöbnisse, Mahnruf in deutscher Sprache) auch christliche Vollzüge in die Kurse ein (z.B. ein erweitertes Kreuzzeichen am Beginn und Ende eines Meditations-Tages). Wie Pater Lassalle es in Japan begonnen hatte, so fügte auch Pater Johannes Kopp die Feier der Eucharistie in das Tagesgeschehen eines Sesshins ein, mit optionaler Teilnahme.
Zusammen mit seiner Mitarbeiterin Marianne Krenz baute er das Programm auf: Sesshins, Meditations-Abende, die Arbeit mit seinen Schülern auf dem Weg des Zen, die Sorge um den Kreis von Assistenten und Mitarbeitern prägten sein Leben. Daneben gab er als diözesaner Beauftragter für Exerzitienarbeit, Besinnungstage und mehrtägige Exerzitien, hielt Vorträge und wirkte auch zunehmend in die eigene Gemeinschaft der Pallottiner hinein.
Bei 30-tägigen Exerzitien, die er selbst machte, hatte er das Gebets-Büchlein „Gott, die unendliche Liebe“ und darin den Autor und Gründer seiner Gemeinschaft Vinzenz Pallotti als Mystiker entdeckt. Viele seiner inneren Erkenntnisse decken sich, so Pater Johannes Kopp, mit der Zen-Erfahrung. Und so war es sein Anliegen, der eigenen Gemeinschaft zu vermitteln, welche Größe und welcher Anspruch im Menschen- und Gottesbild Pallottis enthalten ist.
Dabei kam ihm sein Charisma des Wortes zu Hilfe. Inspiriert von den Werken und dem Stil Graf Dürckheims hatte er zu einer ganz eigenen Sprach-Schöpfung des inneren Lebens gefunden. Diese drückt sich aus in seinen Motivationen und natürlich in seinen Schriften. Zuallererst ist hier das Praxisbuch „Schneeflocken fallen in die Sonne – Christus-Erfahrungen auf dem Zen-Weg“ zu nennen. Darin beschreibt er nicht nur eigene Erfahrungen, sondern gibt auch detaillierte Anleitungen für die Praxis, spricht über Voraussetzungen und Gefahren auf dem Weg. Die Schrift „Gebet als Selbstgespräch“ ist kurze Zeit vor seinem Tod als ein geistliches Testament entstanden und hat in Meditations-Kreisen viel Aufmerksamkeit gefunden.
In der Ernennung von Schülern, die auch langjährige Mitarbeiter waren, zu Zen-Lehrern sicherte er seine Nachfolge. „Es geht weiter!“, rief er aus, als er das letzte Mal den geliebten Meditationsraum in Essen-Werden verließ, bevor er seine letzte Lebenszeit auf der Seniorenstation der Pallottiner in Limburg verbrachte. Dort starb er am 22. Juni 2016. PR
YouTube
Literatur
1. Mit dem Leib glauben
Der Hunger des Wortes
2. Gebet als Selbstgespräch
Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir
3. Schneeflocken fallen in die Sonne
Christuserfahrungen auf dem Zen-Weg