Leben aus der Mitte

Leben aus der Mitte

Zen-Kontemplation

Yamada-Roshi LadM 2026 - Leben aus der Mitte


Yamada Kôun
Zenmeister von Lassalle und Kopp

Yamada Kôun Roshi (1907 – 1989)

Yamada Kôun wurde 1970 zum Oberhaupt der Sanbo-Kyodan-Zenschule in Japan ernannt. Ahnherren dieser Schule waren Harada Roshi (1872-1961), der die Soto- und die Rinzai-Tradition in einer Linie vereinigte, und Yasutani Roshi (1885-1973), der mit 30 Jahren heiratete und Vater von 5 Kindern wurde. 1954 wurde die Sanbo-Kyodan-Linie offiziell vom Staat anerkannt.

Yamada Kôun Roshi arbeitete nach dem Besuch der Universität in Tokyo zunächst in einer Firma und übernahm später die Verantwortung über eine große Klinik in Tokyo, in der seine Frau als Ärztin tätig war.

Auf eigenem Grundstück in Kamakura errichtete er neben seinem Haus ein Zendo.

Als Familienvater mit geschäftlichen und juristischen Dingen vertraut, sah Yamada Kôun als Zeichen der Zeit die Notwendigkeit, den Zen-Geist im alltäglichen Leben zu verwirklichen und – losgelöst von klösterlichem Lebensstil – eine Zen-Gemeinschaft mit Laien zu bilden. Wie Pater Lassalle war auch er Zeuge der Atom-Katastrophe und auf der Suche nach einem neuen, dem Frieden dienenden menschlichen Bewusstsein. Den Weg dorthin sah er vorgezeichnet in der Zen-Tradition. In außergewöhnlicher Offenheit und Großzügigkeit ging es ihm darum, diese Möglichkeit auch Menschen aus dem Westen zu eröffnen. Sein Zendo wurde schnell Anziehungspunkt für viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen, die den Zen-Weg in jeweiliger Weise als Intensivierung ihres eigenen Lebens- und Glaubensweg kennenlernen und gehen durften.

Durch Pater Johannes Kopp kam Yamada Roshi in Berührung mit den Ideen des Gründers von dessen Gemeinschaft, des hl. Vinzenz Pallotti (1795-1850), und entdeckte eine Parallele: Pallotti wollte mit seiner Gründung das Charisma aller für die Weitergabe des christlichen Glaubens wirken lassen und dies wie selbstverständlich auch außerhalb des klösterlichen Lebens. Sein biblisches Leitbild war, dass jeder Mensch von der Schöpfung her Bild und Gleichnis des Unendlichen ist. Auch Yamada Kôun Roshi sah jeden Menschen zur Realisierung seiner Wesensnatur befähigt und beauftragt. Yamada Kôun Roshi erkannte im Umgang mit seinem Schüler Pater Johannes Kopp diese Gleichzeitigkeit und gab ihm deswegen das Lebenskoan: “Du musst verwirklichen, dass Jesus Christus in dir ist.” Pater Johannes sah darin uneingeschränkt sein Motiv, sich allen Ernstes auf den Zen-Weg als Weg der Integration in das christliche Leben einzulassen.

Yamada Kôun Roshi ernannte Pater Johannes Kopp nach elfjährigem, intensivem Zen-Training und der Vollendung der Koan-Schulung 1985 zum Zen-Lehrer. Sein Nachfolger Ryôun Roshi bevollmächtigte ihn 2004 als Zen-Meister.

Yamada Kôun Roshi starb am 13. September 1989 in Kamakura.

JK / PR

  • Zen Schule
    Interreligioeser-dialog

    Sanbo Zen

    Das vom Programm LEBEN AUS DER MITTE – Zen-Kontemplation im Bistum Essen verfolgte Anliegen der Integration von Zen und christlichem Glauben verdankt sich der für nicht-buddhistische Interessenten offenen Sanbo-Zen-Schule.

    Diese ist eine relativ junge Zen-Richtung, die im vergangenen Jahrhundert in Japan entstanden ist. Das Wort bedeutet “Vereinigung der Drei Schätze”, womit Buddha, Dharma und Sangha gemeint sind. Die Sanbo-Zen-Schule vereinigt die wichtigsten Elemente der beiden traditionellen Zen-Richtungen, der Sôtô- und der Rinzai-Schule.

    Begründet wurde diese Linie von Harada Daiun Rôshi (1870 – 1961) und seinem Nachfolger Yasutani Haku-un Roshi (1885 – 1973). Von ihm wurde Yamada Kôun Roshi (1907 – 1989) als Nachfolger eingesetzt. Sein auf privatem Grund errichtetes Zendo in Kamakura (südl. von Tokio) wurde durch die Begegnung von Yamada Roshi und P. Lassalle zum Anziehungspunkt für viele spirituelle Sucher aus dem Westen, darunter auch Priester und Ordensschwestern. Yamadas unmittelbare Nachfolger sind Kubota Ji’un Roshi und aktuell Yamada Ryôun Roshi.

    Besonders durch den Kontakt mit Migaku Sato (deutsch-sprachiger Zen-Meister und christlicher Theologe) war das Programm über viele Jahre in engem Kontakt mit der, mittlerweile weltweit sich ausbreitenden Bewegung, die auch in Deutschland viele Zen-Zentren und Lehrer hat. Leben aus der Mitte verdankt seinen Ursprung der von Sanbo Zen geschaffenen Möglichkeit, Zen außerhalb der Klostermauern zu praktizieren. Außer dem Gründer des Programms wurden zwei seiner Schüler zu offiziellen Lehrern in Sanbo Zen ernannt: Marlis Müting und Klaus Appelmann. Weil P. Johannes Kopp die Offenheit für die Bedeutung des Religiösen im Vollzug des Zen nicht mehr gewahrt sah, trennte er das Programm kurz vor Ende seines Lebens von Sanbo Zen – betonte jedoch stets in großer Dankbarkeit die bleibende Bedeutung für die Anfänge. JK / PR

YouTube

Literatur


1. Die torlose Schranke

2. Hekiganroku

Literatur