Leben aus der Mitte

Leben aus der Mitte

Zen-Kontemplation

"ZenChrist

Zen und Christ­sein

Von Beginn an ist das Programm Leben aus der Mitte offen für alle Interessierten. Es gibt keine Voraussetzung als nur die eigene Sehnsucht nach dem Wesen, wie auch immer diese sich ausdrückt. Doch in spezieller Weise möchte das Programm ein Angebot für Christen sein, zum Eigentlichen ihres Glaubens zu kommen. Hier verbinden sich die Grundanliegen der „Gründerväter“ Pater Johannes Kopp, Pater Lassalle und Yamada Roshi: Durch die Zen-Übung ist es möglich, das religiöse Potential, das in jedem Menschen ist, zu wecken. Pater Johannes Kopp sprach oft von der geistigen Kernenergie im Menschen, als Friedens-Dynamik im Unterschied zur zerstörerischen Atomwaffe. Dort, wo die Faszination des Zen auf die Faszination des kosmisch-universalen Christus stößt, kann Neues werden. Nicht als Menschen-Werk, sondern im Zulassen des Schöpfungs-Atems, der in der Stille zum Erlebnis wird.

Es war das besondere Charisma von P. Johannes Kopp als Christ, Priester und Ordensmann, die von ihm erlebte Attraktion des Christus-Ereignisses in die Zen-Übung einzubringen. Daraus entstand sein Anliegen, an dem er zeitlebens festgehalten hat, beide Seiten zu integrieren und daraus etwas Neues zu schaffen. Den Auftrag seines japanischen Meisters zu verwirklichen, dass Jesus Christus in uns ist, war ihm „heilige Verpflichtung“. Die Vision, einen christlichen Kommentar zum Mumonkan, einer Sammlung von Zen-Koans, zu schreiben, konnte er nicht umsetzen. Doch gibt es in seiner letzten publizierten Schrift „Gebet als Selbstgespräch“ einige Abschnitte zu biblischen Koans.

Wenige christliche Wort-Elemente im Ablauf von Sesshins und Meditationstagen sowie die Feier der Eucharistie sind ein offenes Angebot und wollen niemanden ausschließen. Wie die Rezitation von Sutren sind sie Ausdruck kulturell-religiöser Identität und „sprechen“ während intensiver Zeiten der Stille besonders zum Herzen. Verbunden mit traditionellen Zen-Texten spiegeln sie das Anliegen der Integration der beiden großen kontemplativen Traditionen. Auf diese Weise entsteht in der Stille ein „intra-religiöser Dialog“, als Voraussetzung für alle Brücken bauende Dialoge im Leben.

Dies wird besonders spürbar in der Feier der Eucharistie, die gewöhnlich im Raum der Meditation stattfindet. Über Worte hinaus bereichern sich hier Zen als „Bohrer zum Wesen“ und das „Tun zu Christi Gedächtnis“ gegenseitig. Eucharistie-Zen und Zen-Eucharistie. Die Bereitung der Feiernden durch stundenlanges Schweigen macht empfänglich für Kommunion, das „Eins-Sein“ in Christus.

Immer wieder leuchtet dabei auf, was viele Menschen spürten, wenn sie Pater Johannes Kopp begegneten: eine alle Grenzen überschreitende Größe des Mensch-Seins, die sich ausdrückt in Liebe und Barmherzigkeit, in einer bedingungslosen Annahme. Diese seine Haltung, mehr noch als viele Worte, war der konkrete Ausdruck der Verbindung von Zen und Christ-Sein und ist bleibender Auftrag für das Programm.

"Eucharistie
  • Ein Weg zum leibhaftigen Glauben

    Christen entdecken in der Gemeinsamkeit von buddhistischer Zen-Tradition und christlicher Kontemplation einen Weg der Glaubenserfahrung. Die Zen-Kontemplation wird entdeckt als Weg der Integration des Alltags in das christliche Leben.

    Ein Christ, der die Zen-Kontemplation praktiziert, befindet sich auf einem Weg, auf dem ihm sein Glaube leibhaftig und erfahrbar wird, lebendig in jeder Situation.

  • Konkrete Hilfen

    Die Zen-Kontemplation darf als ein besonderes Geschenk für Christen unserer Zeit betrachtet werden, das ganz konkrete Hilfen gibt, um zu jener Weise des Betens zu führen, die nach ältester christlicher Tradition als tiefstes Gebet, als Kontemplation bezeichnet wird.

  • Heilsame Wirkung

    Im allmählichen Einswerden von Leib und Geist und in der zunehmenden inneren Stille vertieft sich das wortlose Gebet, wird nachhaltiger und beständiger und lässt in der Übung mehr und mehr die heilsame Wirkung erfahren. Außerhalb dieser Übung der Stille wird das Wort für alle anderen Gebetsweisen und für die mitmenschliche Begegnung im Alltag wieder gefüllt und beseelt.

  • Zen-Kontemplation

    Es ist ein Weg, der einem Christen – gemäß seinem guten Willen und seiner Bereitschaft allen Ernstes – ungeahnte Tiefen der Sinnerfüllung seines Lebens und der Gotteserfahrung eröffnet.

  • Zuspruch und Anspruch

    So ist die Zen-Kontemplation nicht im Widerspruch sondern als neue Ermöglichung und sogar als Zuspruch und Anspruch für Christen auf dem Weg hin zum kostbarsten Schatz der christlichen Tradition zu sehen – der Kontemplation. Das meint – im Vertrauen auf die Gnade Gottes – die eigentliche christliche Haltung aus der Kraft der täglich methodischen Übung in der Realisierung im Alltag.